(IT) Teams, Kultur und Erfolg: Fragen und Gedanken im ersten Teil einer Artikelserie

Heutzutage findet Arbeit fast ausschließlich in Teams statt. Projekte werden von Teams umgesetzt. Software wird von Teams entwickelt. Einzelkämpfer und einsame Helden werden weniger. Jedes Team besteht aus unterschiedlichen Charakteren mit verschiedenen Werdegängen und Hintergründen. Wie kommt es, dass manche Teams sehr gute Ergebnisse erreichen, andere wiederum nicht? Mit dieser Frage möchte ich mich in einer Artikelreihe beschäftigen. Mit einer allen Ansprüchen genügenden Antwort rechne ich nicht, jedoch finde ich es eben sehr interessant, welche Aspekte dazu führen, dass Teams so unterschiedlich „erfolgreich“ sind. Wobei Erfolg und sehr gute Ergebnisse nicht unbedingt leicht zu fassen sind, bzw. eine Frage der Perspektive sind.

Im ersten Teil der Reihe möchte ich vor allem Fragen und Gedanken formulieren, um mich einzelnen Aspekten anzunähern.

  • Was ist Erfolg? Wann ist ein Team erfolgreich?
  • Welche „Kräfte“ wirken auf ein Team ein?
  • Was braucht ein Team um erfolgreich zu sein?
  • Kann ein Team dauerhaft erfolgreich sein?
  • Ist ein Team erfolgreich, wenn es gute Ergebnisse abliefert?
  • Wie definiere ich ein gutes Ergebnis?
  • Wie fördert man die „richtige“, bzw. passende Kultur für ein Team?
  • Gehören Fehler zum Erfolg dazu?
  • Kann ein Team erfolgreich sein ohne Sinn, oder „Mission“?
  • Kann nachhaltiger Erfolg entstehen, bzw. bewusst gefördert werden?

Was ist Erfolg?

Ich bin mir sicher, die Antwort auf diese Frage kann sehr unterschiedlich ausfallen, unter anderem abhängig von den Voraussetzungen, den bisherigen Erfahrungen und dem individuellen Wertesystem. Wenn ein Team bereits sehr lange miteinander arbeitet kann sich eine gemeinsame Sicht auf Erfolg entwickeln. Ist das vielleicht ein sehr wichtiger Aspekt? Das ein Team über einen gewissen Zeitraum eine gemeinsame Sicht auf den Begriff Erfolg entwickelt und aus dieser Stabilität heraus auch für Nicht-Teammitglieder als erfolgreich wahrgenommen wird?

Wer alleine arbeitet, addiert. Wer zusammenarbeitet, multipliziert. Autor unbekannt

Ist eine „funktionierende“ Zusammenarbeit die Basis für einen Erfolg? Gehören zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Team auch Team-fremde Mitarbeiter? Kann ein Team die externe Sicht ausblenden und sich selbst als erfolgreiches Team verstehen? Der Erfolg eines Teams wird ja auch von außerhalb wahrgenommen und bewertet. Es wirken neben der eigentlichen Arbeit dann auch verschiedene externe „Kräfte“ und Erwartungshaltungen auf ein Team. Diese Kräfte können den Erfolg eines Teams positiv und negativ beeinflussen.

Welche „Kräfte“ wirken auf ein Team ein?

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Das Management möchte messbare Wasserstandsmeldungen und verwertbare (und vor allem belastbare) Terminzusagen. Auch das Projekt und die Stakeholder für ein Projekt können sehr stark auf ein Team einwirken, wenn viele „political games“ gespielt werden.

Die Projektleitung wird versuchen, so wenig wie möglich von der Projektpolitik an das Team herankommen zu lassen, damit konzentriert gearbeitet werden kann. Eine allzu starke Abkoppelung von der „realen“ Projektwelt kann aber auch dazu führen, dass ein Team den Fokus auf die Ziele verliert.

Nicht zuletzt übt das soziale Umfeld eines jeden Teammitglieds einen erheblichen Einfluss auf die individuelle Tatkraft und Energie aus, mit der die Aufgaben bearbeitet werden. Wer kann von sich sagen, dass er die Probleme und Einflüsse seines sozialen Umfeldes vollständig ausblenden kann, wenn er das Büro betritt? Ich denke, wir nehmen immer ein bisschen was davon mit in das Projekt. Das muss auch nicht zwingend negativ sein – finde ich! Wir wollen doch keine Maschinen, sondern kreative Menschen – dafür braucht es eben auch Spannungsfelder im privaten und beruflichen Umfeld, oder etwa nicht?

Ein Team hat Erfolg, wenn …

Ein Team setzt erfolgreich ein Projekt um. Das bedeutet, dass die im Vorfeld vereinbarten Ziele erreicht worden sind? Zählen dazu nur die klassischen Dimensionen Zeit, Budget und Qualität? Ab welchem Erfüllungsgrad kann ein Projekt eigentlich als Erfolg bewertet werden? Bei 70%, 80% oder erst ab 90% Prozent? Es gibt sicher mehrere Interpretationen von Erfolg. Ich glaube, dass ein Team selber sehr gut bewerten kann, ob ein Projekt erfolgreich umgesetzt wurde. Und wie muss ein Team aufgebaut sein, damit es (dauerhaft) erfolgreich arbeiten kann? teams-und-kultur-1

Ein Aspekt ist sicher eine Mischung der Charaktere und Fähigkeiten. Für ein Projekt werden immer unterschiedliche Fähigkeiten in verschiedener Ausprägung benötigt. Ein gutes Team braucht sowohl Spezialisten in verschiedenen „Hard Skills“ als auch Spezialisten in bestimmten Soft Skills. So braucht ein Team sicher den Optimisten, den Tatkräftigen der nach vorne schaut und anpackt – andere „mitziehen“ kann und motiviert. Aber auch die ruhigen, besonnenen Denker werden gebraucht. Diversifikation ist hier ein passender Begriff. Oft wird auch von einer gesunden Mischung gesprochen – und ich glaube, um diese Mischung zu erreichen braucht es Zeit und Hingabe. Die wenigsten Teams funktionieren einfach so zusammen. Eine erfolgreiche Fußballmannschaft basiert häufig auf einer jahrelangen Aufbauarbeit und der richtigen Ergänzung der Mannschaft. Aber kann ein Team (Mannschaft) dauerhaft erfolgreich sein oder stellen sich irgendwann Abnutzungserscheinungen ein? Bei Fussballmannschaften sprechen wir oft von einem Zenit, der erreicht wurde. Gilt das auch für Projektteams?

Ist eine Feedback und Fehlerkultur entscheidend? Bringen regelmäßige Feedbackschleifen und Retrospektiven den Erfolg? Welche Rolle spielen Technologien und Prozesse? Sind Scrum-Teams wirklich erfolgreicher? Sind agile Methoden ein guter Nährboden für Erfolg?

Wie geht es weiter?

Dieser Artikel bildet den Auftakt eines mehrteiligen Themenartikels, den ich in den nächsten Wochen noch mit 2,3 Artikeln erweitern möchte. In den weiteren Artikeln möchte ich u.a. auf folgende Themen und Fragen eingehen und meine Sichtweisen beschreiben:

  • Skills vs. Persönlichkeit vs. Tools/Werkzeuge: Was ist wichtiger?
  • Brauchen IT Teams eine Hierarchie oder jemanden der am Ende „Schuld“ hat?
  • Ideen für nachhaltigen Erfolg oder lohnt es dem Team zuzuhören?

Aufruf

Vielleicht seid Ihr schon Teil eines sehr erfolgreichen Teams gewesen oder habt ein erfolgreiches Team geführt? Dann freue ich mich auf Erfahrungswerte und Kommentare!

Weiterführende Lektüre:

 

Foto: Das Artikelbild wurde von Maximus_W unter dem Titel “Marvel Avengers“ auf Flickr unter einer Creative Commons CC BY 2.0 Lizenz veröffentlicht.

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